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Mischa Barmettler

Obligationen

Was eine Obligation ist, wie Coupon, Nennwert und Laufzeit funktionieren und warum die Kurse von Obligationen fallen, wenn die Zinsen steigen.

Kernaussage

Kaufst du eine Obligation, verleihst du Geld. Der Emittent, also wer die Obligation ausgibt, zahlt dir einen festen Coupon auf dem Nennwert und, sofern er zahlungsfähig bleibt, am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück. Dazwischen wird die Obligation in der Regel an der Börse gehandelt, und ihr Kurs bewegt sich entgegengesetzt zu den Zinsen. Zahlen neue Obligationen mehr, sind bestehende weniger wert. Fallen die Zinsen, sind sie mehr wert. Die Risiken sind steigende Zinsen, ein Ausfall des Emittenten und die Teuerung.

Was ist eine Obligation?

Eine Obligation ist ein Darlehen, das du einem Staat oder einer Firma gibst. Dafür verspricht dir der Emittent, also wer die Obligation ausgibt, in festen Abständen Zins zu zahlen und den ganzen Betrag an einem bestimmten Tag zurückzuzahlen. Mit einer Obligation verleihst du Geld, statt dich an einer Firma zu beteiligen. Am Gewinn bist du nicht beteiligt. Geht der Emittent in Konkurs, wirst du aber vor den Aktionärinnen und Aktionären bezahlt. Manche Obligationen von Banken sind eine Ausnahme und können abgeschrieben werden. Im März 2023 vereinbarte die UBS die Übernahme der Credit Suisse. Dabei wurden solche Obligationen der Credit Suisse über rund CHF 16 Mrd. vollständig abgeschrieben. Ihre Aktionärinnen und Aktionäre erhielten dagegen UBS-Aktien. Obligationen sind eine der wichtigsten Anlageklassen, neben Aktien und Bargeld.

Jede Obligation lässt sich auf drei Begriffe zurückführen. Der Nennwert ist der Betrag, der am Ende zurückbezahlt wird. Der Coupon ist der jährliche Zins, in Prozent des Nennwerts. Die Laufzeit endet am Verfalldatum, an dem das Darlehen zurückbezahlt wird. Nimm eine Obligation über CHF 1'000 mit einem Coupon von 4 % und einer Laufzeit von 10 Jahren. Du erhältst zehn Jahre lang jedes Jahr CHF 40 und danach deine CHF 1'000 zurück. Das sind CHF 400 Zins zusätzlich zu deinem ursprünglichen Geld.

Die 4 % sind ein Beispiel. Laut der Schweizerischen Nationalbank lag Ende August 2026 der Zins für Bundesobligationen über 10 Jahre bei 0,47 %. Das ist etwa, was der Bund zahlt, wenn er sich für zehn Jahre Geld leiht. Die publizierten Sparzinsen der Schweizer Banken lagen im Durchschnitt bei 0,07 %.

Warum bewegen sich die Kurse?

Du musst eine Obligation nicht bis zum Verfall halten. Obligationen werden in der Regel an der Börse gehandelt, manche nur selten, und ihr Kurs bewegt sich entgegengesetzt zu den Zinsen. Zahlen neue Obligationen 6 %, zahlt niemand den vollen Preis für deine Obligation mit 4 %. Ihr Kurs fällt, bis ihre Rendite zum Markt passt. Sinken die Zinsen auf 2 %, wirkt dein Coupon von 4 % grosszügig, und der Kurs steigt. So steht dieselbe Obligation mit 10 Jahren Laufzeit und 4 % Coupon bei verschiedenen Marktzinsen:

Marktzins Kurs der Obligation Veränderung
2 %1'179.65+18,0 %
3 %1'085.30+8,5 %
4 %1'000.000,0 %
5 %922.78−7,7 %
6 %852.80−14,7 %

Steigen die Zinsen um zwei Prozentpunkte, verliert der Kurs fast 15 %, obwohl der Emittent keine einzige Zahlung verpasst hat. Die Rendite, die du erwarten kannst, wenn du zum heutigen Kurs kaufst, bis zum Ende hältst und alle Zahlungen wie geplant eintreffen, heisst Rendite auf Verfall. Wie stark der Kurs einer Obligation auf Zinsänderungen reagiert, ist ihre Duration: Obligationen mit langer Laufzeit und tiefem Coupon reagieren am stärksten.

Welche Arten gibt es?

Wer die Obligation ausgibt, bestimmt den grössten Teil ihres Risikos und ihrer Rendite:

Öffentliche Hand

Ausgegeben von Ländern, Kantonen oder Städten. Stabile Emittenten wie die Eidgenossenschaft zahlen tiefe Zinsen, weil das Ausfallrisiko klein ist.

Firmen

Ausgegeben von Firmen, um ihr Wachstum oder ihren Betrieb zu finanzieren. Sie zahlen mehr als die öffentliche Hand, als Ausgleich für das höhere Ausfallrisiko.

Nullcoupon (Zerobond)

Kein jährlicher Zins. Dein Ertrag ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem Betrag, der am Ende zurückbezahlt wird.

Manche Obligationen haben besondere Merkmale. Wandelobligationen lassen sich in Aktien der Firma umtauschen. Kündbare Obligationen erlauben dem Emittenten, früher zurückzuzahlen. Das lohnt sich für ihn, wenn die Zinsen gesunken sind, also genau dann, wenn du die Obligation lieber behalten würdest. Ratingagenturen wie S&P, Moody's und Fitch bewerten die Emittenten mit Noten wie AAA, BBB oder B. Obligationen im Bereich Investment Grade, bei S&P von AAA bis BBB−, bei Moody's bis Baa3, gelten als relativ sicher. Hochzinsobligationen zahlen mehr, weil das Risiko eines Ausfalls höher ist.

Welche Risiken gibt es?

Obligationen schwanken in der Regel weniger als Aktien, sind aber nicht ohne Risiko. Drei Dinge können dir schaden:

Steigende Zinsen

Steigen die Zinsen, verlieren bestehende Obligationen an Wert. Ein Problem, wenn du vor dem Verfall verkaufen musst.

Ausfall

Der Emittent kann vielleicht keinen Zins zahlen oder das Darlehen nicht zurückzahlen. Je schwächer der Emittent, desto höher dieses Risiko.

Teuerung

Feste Zahlungen kaufen weniger, wenn die Preise steigen. Über zehn Jahre kann die Teuerung einen grossen Teil deiner Rendite auffressen.

Der Haken

Obligationen gelten oft als der sichere Teil eines Portfolios. Stammen sie von einem soliden Emittenten und hältst du sie bis zum Verfall, zahlen sie auch genau, was sie versprochen haben. Viele Privatanlegerinnen und Privatanleger halten aber keine einzelnen Obligationen, sondern Obligationenfonds oder ETF, die nie ablaufen. Der Fonds kauft laufend neue Obligationen nach. Steigen die Zinsen, fällt sein Kurs, und kein Verfalldatum bringt ihn zurück auf den Nennwert. Auch Obligationenfonds können Geld verlieren. 2022, als die Zinsen stark stiegen, verloren Obligationen in Franken 12,1 %. Das war ihr schlechtestes Jahr seit 1900, vor Teuerung, laut einer Studie der Genfer Bank Pictet zu Schweizer Renditen (Februar 2026).

Das macht sie nicht zu einer schlechten Wahl. Obligationen zahlen ein regelmässiges Einkommen, fallen in einem Crash meist weniger als Aktien und dämpfen die Schwankungen eines Portfolios. Über lange Zeit ist die Teuerung die unauffälligere Gefahr: Sie schmälert, was feste Zahlungen kaufen. Sieh Obligationen als risikoärmer, nicht als risikolos, und wähle die Laufzeit danach, wann du das Geld wirklich brauchst.

Steuern und Währung

Von den Zinsen Schweizer Obligationen werden, Stand 2026, in der Regel 35 % Verrechnungssteuer abgezogen, bevor sie bei dir ankommen. Wohnst du in der Schweiz, erhältst du sie zurück, wenn du die Obligation in deiner Steuererklärung deklarierst. Der Zins zählt als steuerbares Einkommen. Ein Kursgewinn auf einer Obligation in deinem Privatvermögen ist dagegen in der Regel steuerfrei. Ausgenommen sind Obligationen, die schon bei der Ausgabe den grössten Teil ihres Ertrags auf den Verfall legen, etwa Nullcoupon-Obligationen (Zerobonds). Massgebend ist die Ausgabe, nicht dein Kaufkurs. Auf Obligationen ausländischer Schuldner gibt es in der Regel keine Schweizer Verrechnungssteuer, sie können aber im Ausland besteuert werden. Lauten sie auf Euro oder Dollar, kommt ein Währungsrisiko dazu: Ein solider Coupon kann in Franken schrumpfen, wenn der Franken stärker wird. Obligationen in Franken vermeiden das. Obligationenfonds mit Währungsabsicherung mindern es stark, beseitigen es aber nicht immer ganz. Bevor du einen Obligationenfonds kaufst, prüf zwei Zahlen in seinem Factsheet. Die durchschnittliche Rendite auf Verfall, bei manchen Anbietern die Mindestrendite (Yield to Worst), zeigt, was seine Obligationen voraussichtlich einbringen, vor den Kosten des Fonds. Die Duration zeigt, wie stark sein Kurs auf Zinsänderungen reagiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • —Drei Begriffe bestimmen jede Obligation: der Nennwert, der Coupon und das Verfalldatum.
  • —Kurse von Obligationen bewegen sich entgegengesetzt zu den Zinsen, und lange Laufzeiten oder tiefe Coupons reagieren am stärksten.
  • —Die Rendite auf Verfall ist die jährliche Rendite, die du erwarten kannst, wenn du zum heutigen Kurs kaufst, bis zum Ende hältst und alle Zahlungen eintreffen.
  • —Schwächere Emittenten zahlen höhere Zinsen, als Ausgleich für das Ausfallrisiko. Obligationen mit längerer Laufzeit zahlen meist ebenfalls mehr, für das Risiko steigender Zinsen und der Teuerung.
  • —Bis zum Verfall gehalten, zahlt eine gewöhnliche Obligation den vollen Nennwert zurück, wenn der Emittent nicht ausfällt, egal, was ihr Kurs unterwegs machte. Obligationen von Banken, die abgeschrieben werden können, sind die Ausnahme.

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