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Mischa Barmettler

Volatilität

Was es heisst, wenn eine Anlage auf und ab schwankt, warum höhere erwartete Renditen mit grösseren Schwankungen kommen und warum ein Rückgang noch kein endgültiger Verlust ist.

Kernaussage

Volatilität beschreibt, wie stark und wie schnell der Kurs einer Anlage auf und ab geht. Anlagen, die mehr wachsen können, schwanken stärker. Seit 1900 lag die Jahresrendite von Schweizer Aktien zwischen −34,0 % und +61,4 %, die von Obligationen in Franken zwischen −12,1 % und +28,4 %. Der durchschnittliche Sparzins fiel nie unter null. Ein Rückgang ist ein Verlust auf dem Papier, bis du verkaufst. Durchhalten garantiert aber nicht, dass der Kurs zurückkommt.

Was ist Volatilität?

Volatilität beschreibt, wie stark und wie schnell der Kurs einer Anlage auf und ab geht. Ein Sparkonto bewegt sich kaum. Ein Obligationenfonds bewegt sich ein wenig. Schweizer Aktien stiegen 2021 um 23,4 % und fielen im Jahr darauf um 16,5 %. Fachleute messen die Volatilität als Standardabweichung der Renditen: Je grösser die Zahl, desto weiter schwanken die Renditen um ihren Durchschnitt. Für die Jahresrenditen von 1900 bis 2025 betrug sie bei Schweizer Aktien 18,5 Prozentpunkte und bei Obligationen in Franken 5,2. Das zeigt die Studie der Genfer Bank Pictet zu Schweizer Renditen seit 1900 (Februar 2026).

Eine Bandbreite kannst du dir leichter vorstellen. In zwei von drei Jahren lag die Rendite Schweizer Aktien zwischen −7,6 % und +23,1 %. Das ist der Bereich ohne die 21 schlechtesten und die 21 besten Jahre. Ihre einzelnen Jahre reichten von −34,0 % (2008) bis +61,4 % (1985), bei Obligationen in Franken von −12,1 % (2022) bis +28,4 % (1922). Der durchschnittliche Sparzins fiel nie unter null, wie die Seite zu Risiko und Rendite zeigt.

Wie schwankten drei Anlagen von 2021 bis 2025?

So viel brachten ein Sparkonto, Obligationen in Franken und Schweizer Aktien in jedem der fünf Jahre bis Ende 2025:

Jahresrenditen von Sparkonto, Obligationen und Aktien, 2021–2025

2021

  • Sparkonto: +0,02 %
  • Obligationen in Franken: −1,8 %
  • Schweizer Aktien: +23,4 %

2022

  • Sparkonto: +0,03 %
  • Obligationen in Franken: −12,1 %
  • Schweizer Aktien: −16,5 %

2023

  • Sparkonto: +0,51 %
  • Obligationen in Franken: +7,4 %
  • Schweizer Aktien: +6,1 %

2024

  • Sparkonto: +0,64 %
  • Obligationen in Franken: +5,3 %
  • Schweizer Aktien: +6,2 %

2025

  • Sparkonto: +0,15 %
  • Obligationen in Franken: −0,1 %
  • Schweizer Aktien: +17,8 %

Schweizer Aktien legten 2021 um 23,4 % zu, fielen 2022 um 16,5 % und stiegen in den drei Jahren danach um 6,1 %, 6,2 % und 17,8 %. Obligationen in Franken fielen um 1,8 % und um 12,1 %, stiegen um 7,4 % und 5,3 % und fielen 2025 um 0,1 %. Das Sparkonto brachte im Durchschnitt 0,02 %, 0,03 %, 0,51 %, 0,64 % und 0,15 % und verlor nie. Aus CHF 10'000, Ende 2020 angelegt, wurden bis Ende 2025 CHF 13'670 in Aktien, CHF 10'137 auf dem Sparkonto und CHF 9'752 in Obligationen.

Schwankungen kosten Rendite. Die fünf Jahresrenditen der Aktien lagen im Durchschnitt bei 7,4 %. Das Geld wuchs aber nur um 6,45 % pro Jahr, mit Zinseszins gerechnet. Denn ein Rückgang braucht einen grösseren Gewinn, um ihn aufzuholen. Nach dem Rückgang von 16,5 % im Jahr 2022 brauchten die Aktien 19,7 %, um wieder auf den alten Stand zu kommen. Die Obligationen brauchten nach ihrem Rückgang 13,8 % und lagen Ende 2025 noch immer unter ihrem Stand von Ende 2021. Die Zahlen zu Aktien und Obligationen stammen aus derselben Studie, die Sparzinsen aus den Durchschnitten der Schweizerischen Nationalbank.

Was bedeutet das für dich?

Die Volatilität zählt auf drei Arten:

Risiko und Rendite

Anlagen, die mehr einbringen können, schwanken meist stärker. Aktien haben ihre höhere Rendite auf lange Sicht mit tieferen Rückgängen bezahlt.

Anlagehorizont

Je länger du das Geld angelegt lassen kannst, desto mehr Zeit bleibt, ein schlechtes Jahr aufzuholen.

Investiert bleiben

Wer nach einem Rückgang verkauft, macht den Verlust endgültig. Wer investiert bleibt, behält die Chance auf eine Erholung.

Nach einem Rückgang zu verkaufen und auf einen besseren Moment zum Rückkauf zu warten, ist Market-Timing. Die 10 besten Tage des SPI von Ende 2005 bis Ende 2025 lagen alle in den Börseneinbrüchen von 2008 und 2020. Sechs davon lagen höchstens zwei Wochen von einem der 10 schlechtesten entfernt. Wie viel Schwankung du tragen kannst, ist eine Frage deiner Asset Allocation: wie du dein Geld auf Aktien, Obligationen und Bargeld aufteilst.

Der Haken

Volatilität ist nicht dasselbe wie ein Verlust. Durchhalten garantiert aber auch keine Erholung. Ein Rückgang ist ein Verlust auf dem Papier, bis du verkaufst. Gemessen an den Ständen am Jahresende haben Schweizer Aktien bisher jeden früheren Höchststand wieder übertroffen. Einmal dauerte das aber 13 Jahre, von Ende 1928 bis Ende 1941. Nach Abzug der Teuerung dauerte es zweimal 13 Jahre, von 1914 bis 1927 und von 1972 bis 1985. Und eine einzelne Firma kann scheitern und nie zurückkommen. Darum lohnt es sich, viele zu besitzen.

Sehr viel zählt die Volatilität aber, wenn du das Geld bald brauchst. Nach dem Rückgang von 34,0 % im Jahr 2008 brauchten Schweizer Aktien einen Gewinn von 51,6 %, nur um wieder auf den alten Stand zu kommen. Erst Ende 2013 schlossen sie ein Jahr wieder über ihrem Stand von Ende 2007. Geld, das du in den nächsten Jahren brauchst, etwa für ein Eigenheim, hältst du deshalb in der Regel besser nicht in Aktien. Daran ändert auch ihre gute Bilanz auf lange Sicht nichts.

Franken und Fremdwährungen

Rechnest du in Franken, schwanken ausländische Aktien für dich doppelt: einmal mit ihrem Kurs und einmal mit dem Wechselkurs. Das ist das Währungsrisiko. 2025 stieg der MSCI World in Dollar um 21,6 %, in Franken aber nur um 6,7 %, weil der Dollar gegenüber dem Franken 12,2 % verlor. Das zeigt eine eigene Berechnung mit dem Index von MSCI und den Wechselkursen der Schweizerischen Nationalbank. Eine Anteilsklasse mit Währungsabsicherung in Franken nimmt den Grossteil der Währungsschwankung weg, gegen laufende Kosten. Schweizer Aktien und Obligationen in Franken tragen kein direktes Währungsrisiko. Bevor du entscheidest, wie viel deines Geldes schwanken darf, sortier es danach, wann du es brauchst. Wie das geht, zeigt die Seite zum Anlagehorizont.

Das Wichtigste in Kürze

  • —Die Volatilität misst, wie weit und wie schnell Kurse schwanken, in beide Richtungen.
  • —Höhere erwartete Renditen kommen meist mit grösseren Schwankungen: Das Sparkonto bewegt sich kaum, Obligationen etwas, Aktien stark.
  • —Je länger du investiert bleiben kannst, desto weniger zählt ein einzelnes schlechtes Jahr.
  • —Ein Rückgang ist ein Verlust auf dem Papier, bis du verkaufst, aber Durchhalten garantiert keine Erholung. Geld, das du bald brauchst, sollte nicht stark schwanken.

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