Market-Timing
Warum es selten klappt, vor einem Einbruch aus- und vor der Erholung wieder einzusteigen, und was ein paar verpasste beste Tage bei Schweizer Aktien gekostet haben.
Kernaussage
Market-Timing heisst, vor einem Einbruch aus dem Markt auszusteigen und vor der Erholung wieder einzusteigen. Mit Schweizer Aktien wäre das teuer geworden: Aus CHF 10'000, Ende 2005 angelegt, wurden bis Ende 2025 CHF 31'728. Wer die 10 besten Tage verpasste, hatte nur CHF 17'742. Diese Tage liegen oft direkt neben den schlechtesten, wenn Aussteigen am sichersten wirkt.
Was ist Market-Timing?
Market-Timing heisst, je nach erwarteter Richtung des Markts aus- und wieder einzusteigen: vor einem Einbruch verkaufen und vor der Erholung zurückkaufen. Das klingt vernünftig. Das Problem: Eine Handvoll Tage macht einen grossen Teil der langfristigen Rendite aus, und diese Tage kündigen sich fast nie an.
Die besten Tage verpassen
Der Swiss Performance Index (SPI) gilt als Gesamtmarktindex für den Schweizer Aktienmarkt. Er enthält fast alle Aktien von Firmen mit Sitz in der Schweiz oder in Liechtenstein, die an der Börse SIX Swiss Exchange gehandelt werden. Ihre Dividenden, also die ausgeschütteten Gewinne, rechnet er mit ein, als würden sie sofort wieder angelegt. So viel wurde aus CHF 10'000 im SPI von Ende 2005 bis Ende 2025. Und so viel hatte noch, wer an den besten Tagen zufällig nicht investiert war:
- Investiert geblieben: CHF 31'727.95
- Die 5 besten Tage verpasst: CHF 22'789.08
- Die 10 besten Tage verpasst: CHF 17'742.20
- Die 20 besten Tage verpasst: CHF 11'877.27
Wer investiert blieb, machte aus CHF 10'000 CHF 31'727.95. Das ist eine Rendite von 5,94 % pro Jahr, mit Zinseszins gerechnet. Wer nur die 5 besten von rund 5'000 Handelstagen verpasste, hatte CHF 22'789.08 (4,20 % pro Jahr). Ohne die 10 besten blieben CHF 17'742.20 (2,91 %), ohne die 20 besten CHF 11'877.27 (0,86 %). Das sind unsere Berechnungen aus den täglichen Schlusskursen des SPI, die SIX veröffentlicht, vor Kosten und Steuern.
Die besten Tage folgen auf die schlechtesten
Die besten Tage kamen nicht in ruhigen Zeiten. Sie kamen mitten in einem Crash, direkt neben den schlechtesten Tagen. Hier sind zehn Handelstage der Finanzkrise im Oktober 2008. Die dunkleren Balken, der 6., 8., 10., 13., 14., 15. und 17. Oktober, gehören zu den 10 besten oder den 10 schlechtesten Tagen der ganzen 20 Jahre:
- 6. Oktober: −5,84 %
- 7. Oktober: −0,66 %
- 8. Oktober: −5,29 %
- 9. Oktober: −4,22 %
- 10. Oktober: −7,25 %
- 13. Oktober: +10,58 %
- 14. Oktober: +4,74 %
- 15. Oktober: −5,40 %
- 16. Oktober: −3,27 %
- 17. Oktober: +5,80 %
Der SPI fiel am 6. Oktober um 5,84 %, am 7. um 0,66 %, am 8. um 5,29 %, am 9. um 4,22 % und am 10. um 7,25 %. Am nächsten Handelstag, dem 13. Oktober, stieg er um 10,58 %, sein bester Tag der 20 Jahre, und am 14. um weitere 4,74 %. Danach fiel er um 5,40 % und 3,27 %, bevor er am 17. um 5,80 % stieg.
Im März 2020 war es gleich. Der SPI fiel am 12. März um 9,11 %, sein schlechtester Tag der 20 Jahre. Am 19. stieg er um 5,56 %, am 23. fiel er um 5,11 % und am 24. stieg er um 6,20 %. Alle 10 besten Tage der 20 Jahre lagen zwischen September und Dezember 2008 oder im März 2020. Sechs davon lagen höchstens zwei Wochen von einem der 10 schlechtesten Tage entfernt. Zwei weitere der 10 schlechtesten Tage waren der 15. und 16. Januar 2015. Damals hob die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro auf, und der Franken wurde schlagartig teurer.
Warum es selten klappt
Beim Market-Timing musst du zweimal richtig liegen: beim Aussteigen und beim Wiedereinsteigen. Es ist verlockend, zu verkaufen, wenn ein Einbruch schon begonnen hat und Verkaufen am sichersten wirkt. Ebenso verlockend ist es, erst zurückzukehren, wenn sich die Lage beruhigt hat. Dann ist die Erholung meist vorbei. Die Tage, die du am liebsten vermeiden würdest, liegen direkt neben denen, die du am wenigsten verpassen darfst. Darum schaden
Eine Alternative ist, gar nicht zu raten. Wer regelmässig einen festen Betrag investiert, nutzt den
Der Haken
Dieselben Daten zeigen auch die andere Seite. Wer nur an den 10 schlechtesten Tagen nicht investiert war, hätte CHF 60'791.78 gehabt. Aber niemand kann die schlechtesten Tage auslassen, ohne auch die besten daneben zu verpassen. Wer die 10 besten und die 10 schlechtesten Tage verpasste, hatte CHF 33'994.62, etwas mehr als jemand, der investiert blieb.
Diese Zahlen sind Beispiele, keine Strategie. Sie lassen Kosten und Steuern weg, rechnen an den Tagen ausserhalb des Markts ohne Zins und zeigen einen einzigen Markt über einen einzigen Zeitraum.
Steuern beim Handeln
Auf den meisten Käufen und Verkäufen von Aktien, Obligationen und ETF über eine Schweizer Bank fällt die
Das Wichtigste in Kürze
- —CHF 10'000 in Schweizer Aktien (SPI) wuchsen von Ende 2005 bis Ende 2025 auf CHF 31'727.95.
- —Wer nur die 10 besten von rund 5'000 Handelstagen verpasste, hatte CHF 17'742.20.
- —Die besten Tage lagen neben den schlechtesten: Am 10. Oktober 2008 fiel der SPI um 7,25 %, am nächsten Handelstag stieg er um 10,58 %.
- —Wer zu festen Zeitpunkten investiert und investiert bleibt, muss nicht zweimal richtig raten.