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Mischa Barmettler

Anlagehorizont

Warum dein Anlagehorizont bestimmt, wie viel Risiko dein Geld tragen kann, und wie sich die Spanne bei Schweizer Aktien verengte, je länger man sie hielt.

Kernaussage

Dein Anlagehorizont ist die Zeit, bis du das Geld brauchst. Je länger du Aktien hältst, desto seltener verlierst du: Von 1900 bis 2025 verloren Schweizer Aktien in 37 von 126 einzelnen Jahren Geld, aber in keinem der 107 Zeiträume von 20 Jahren. Selbst im schlechtesten wuchs das Geld um 0,7 % pro Jahr. Das ist Geschichte, kein Versprechen. Geld, das du bald brauchst, kann einen Einbruch nicht aussitzen. Deshalb liegt es meist nicht in Aktien.

Was ist der Anlagehorizont?

Dein Anlagehorizont ist die Zeit, bis du das Geld brauchst. Das Eigenkapital für eine Wohnung, die du in zwei Jahren kaufen willst, hat einen kurzen Horizont. Das Sparen für eine Pensionierung in dreissig Jahren hat einen langen. Das ist wichtig, weil du einen Einbruch nur aussitzen kannst, wenn du nicht mittendrin verkaufen musst.

Je länger du hältst, desto enger die Spanne

Schweizer Aktien zeigen es deutlich. Für jede Haltedauer (1, 5, 10 und 20 Jahre) und jedes Startjahr ab 1900 siehst du hier das schlechteste und das beste Ergebnis. Es ist jeweils die Rendite pro Jahr über diesen Zeitraum, mit Zinseszins gerechnet: die gleichmässige Jahresrendite, die aus dem Anfangsbetrag den Endbetrag macht.

Schweizer Aktien, 1900–2025: schlechtestes und bestes Ergebnis pro Jahr, nach Haltedauer
  • 1 Jahr gehalten: −34,0 % bis +61,4 %

    Verlust in 37 von 126 Zeiträumen

  • 5 Jahre gehalten: −10,4 % bis +25,8 % pro Jahr

    Verlust in 19 von 122 Zeiträumen

  • 10 Jahre gehalten: −4,2 % bis +20,2 % pro Jahr

    Verlust in 8 von 117 Zeiträumen

  • 20 Jahre gehalten: +0,7 % bis +13,7 % pro Jahr

    In keinem von 107 Zeiträumen ein Verlust

Ein Jahr gehalten, brachten Aktien zwischen −34,0 % und +61,4 %. In 37 von 126 Jahren verloren sie Geld. Über 5 Jahre verengte sich die Spanne auf −10,4 % bis +25,8 % pro Jahr, mit Verlusten in 19 von 122 Zeiträumen. Über 10 Jahre waren es −4,2 % bis +20,2 % pro Jahr, mit Verlusten in 8 von 117. Über 20 Jahre brachte selbst der schlechteste Zeitraum noch +0,7 % pro Jahr und der beste +13,7 %. Keiner der 107 Zeiträume verlor Geld.

In Franken: CHF 10'000, die zu Beginn der schlechtesten fünf Jahre, 1917–1921, in Schweizer Aktien flossen, waren am Ende noch CHF 5'788 wert. In den schlechtesten zwanzig Jahren, 1902–1921, wuchsen sie auf CHF 11'472. Die Zahlen haben wir aus der Studie von Pictet zu Schweizer Aktien seit 1900 berechnet.

Geld nach dem Zeitpunkt aufteilen

Darum teilen viele ihr Geld danach auf, wann sie es brauchen. Eine verbreitete Faustregel:

In wenigen Jahren

Einen Einbruch kannst du nicht aussitzen: Selbst über fünf Jahre verloren Aktien 19-mal Geld. Geld für das Eigenkapital oder die Steuerrechnung im nächsten Jahr liegt meist auf dem Sparkonto.

In fünf bis zehn Jahren

Verluste waren seltener, kamen aber vor: 8-mal in 117 Zeiträumen von zehn Jahren. Eine Mischung aus Aktien, Obligationen und Bargeld federt sie ab.

In zwanzig Jahren oder mehr

In jedem Zeitraum von 20 Jahren seit 1900 waren die schlechten Jahre am Ende wettgemacht. Das ist Geschichte, keine Garantie. Geld für die Pensionierung hat oft so einen Horizont.

Wie du dein Geld auf Aktien, Obligationen und Bargeld verteilst, heisst Asset Allocation (auf Englisch). Je kürzer der Horizont, desto mehr zählen die jährlichen Schwankungen (auf Englisch). Dahinter steht die Abwägung zwischen Risiko und Rendite.

Der Haken

Vergangene Spannen sind keine Prognose. Die schlechtesten Zeiträume von 5, 10 und 20 Jahren umfassen alle den Ersten Weltkrieg und die Krise danach. Das schlechteste einzelne Jahr war 2008. Die Zeiträume überschneiden sich zudem: 1900–1919 und 1901–1920 teilen 19 Jahre. Von 1900 bis 2025 haben nur sechs getrennte Zeiträume von 20 Jahren Platz. «Keiner von 107» beruht also auf einer Handvoll wirklich getrennter Fälle, nicht auf 107.

Nach Abzug der Teuerung sieht es weniger tröstlich aus: 10 der 107 Zeiträume von 20 Jahren verloren an Kaufkraft, zuletzt 1962–1981 und 1963–1982. Der Markt eines einzelnen Landes kann jahrzehntelang hinterherhinken. Und ein Horizont kann ohne Vorwarnung schrumpfen, etwa durch eine Kündigung oder eine Krankheit. Ein Notgroschen verhindert, dass du dann verkaufen musst.

Dein Horizont in der Säule 3a

Geld in der Säule 3a wird frühestens fünf Jahre vor dem Referenzalter ausbezahlt, dem Alter, in dem die AHV-Rente ordentlich beginnt, für die meisten 65. Früher geht es nur aus wenigen Gründen, etwa für selbst bewohntes Wohneigentum, wenn du die Schweiz endgültig verlässt oder dich selbständig machst (Regeln 2026). Mit 30 hast du für dieses Geld also einen Horizont von Jahrzehnten. Willst du es in wenigen Jahren für ein Eigenheim beziehen, ist er nur so lang. Überleg dir für jedes Sparziel, wann du das Geld brauchst.

Das Wichtigste in Kürze

  • —Dein Anlagehorizont ist die Zeit, bis du das Geld brauchst.
  • —Von 1900 bis 2025 verloren Schweizer Aktien in 37 von 126 einzelnen Jahren Geld, aber in keinem von 107 Zeiträumen von 20 Jahren.
  • —Diese 107 Zeiträume überschneiden sich. Sie beruhen also auf viel weniger unabhängigen Fällen, als es klingt.
  • —Nach Abzug der Teuerung verloren 10 der 107 Zeiträume von 20 Jahren trotzdem an Kaufkraft.

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