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Mischa Barmettler

ETF (börsengehandelter Fonds)

Wie ein einziger Fonds mit Hunderten oder über tausend Wertschriften wie eine Aktie an der Börse gehandelt wird und was das für die Streuung und die Kosten heisst.

Kernaussage

Ein ETF ist ein Fonds, dessen Anteile wie jede Aktie an der Börse gehandelt werden. Ein Kauf gibt dir ein Stück von allem, was der Fonds hält. In der Schweiz zahlst du dafür die jährliche Gebühr des Fonds, die TER, und die Courtage, also die Gebühr pro Auftrag. Über eine Schweizer Bank oder einen Schweizer Broker kommt bei jedem Kauf und Verkauf die Stempelsteuer dazu. Deine Hälfte beträgt 0,15 % bei einem ETF mit Sitz im Ausland und 0,075 % bei einem Schweizer ETF.

Was ist ein ETF?

Ein Fonds sammelt Geld von vielen Anlegerinnen und Anlegern und kauft damit eine grosse Zahl von Wertschriften, etwa Aktien oder Obligationen. Ein ETF, kurz für Exchange Traded Fund, ist ein börsengehandelter Fonds: Seine Anteile sind an einer Börse kotiert. Du kaufst und verkaufst sie über deine Bank oder deinen Broker wie jede Aktie, zu einem Kurs, der sich während des Handelstags bewegt. Jeder Anteil gibt dir ein kleines Stück von allem, was der Fonds hält.

Die meisten ETF folgen einem Index: einer Liste von Firmen, die nach festen Regeln ausgewählt werden, etwa die grössten Firmen eines Landes oder der ganzen Welt. Ein ETF auf einen Weltindex kann mehr als tausend Firmen aus über zwanzig Ländern halten. Ende September 2026 umfasste der MSCI World, ein bekannter Weltindex, 1'249 Aktien aus 23 Ländern. Mit einem einzigen Anteil eines solchen ETF kaufst du ein winziges Stück von jeder. So ein ETF ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird.

Was kostet es, über viele Firmen zu streuen?

Angenommen, du hast CHF 10'000, und dein Broker verlangt CHF 10 pro Auftrag. So viel kostet es, das Geld selbst auf viele Firmen zu verteilen, verglichen mit einem einzigen ETF:

Portfolio Firmen Courtage, CHF
Aktien von 1 Firma110.00
Aktien von 20 Firmen20200.00
Aktien von 100 Firmen1001'000.00
Ein ETF auf einen Weltindexüber 1'00010.00

Willst du 100 Firmen einzeln besitzen, brauchst du 100 Aufträge und zahlst CHF 1'000 Courtage: einen Zehntel deines Geldes, bevor du etwas verdient hast. Der ETF bringt dir mehr als zehnmal so viele Firmen für eine einzige Gebühr von CHF 10, also 0,1 % deines Geldes. Gratis ist er aber nicht: Der Fonds verlangt eine jährliche Gebühr, seine TER. Bei 0,20 % sind das CHF 20 im Jahr auf CHF 10'000.

Kaufst oder verkaufst du über eine Schweizer Bank oder einen Schweizer Broker, fällt zudem die eidgenössische Stempelsteuer an. Nach dem Bundesgesetz über die Stempelabgaben beträgt sie 2026 für dich 0,075 % bei Wertschriften von Schweizer Emittenten und 0,15 % bei ausländischen. Der Sitz eines Fonds, auf Factsheets oft Domizil genannt, ist das Land, in dem er rechtlich ansässig ist. Viele ETF, die in der Schweiz verkauft werden, haben ihren Sitz in Irland oder Luxemburg und gelten deshalb als ausländisch. Kaufst du für CHF 10'000 einen davon, kostet das CHF 15 Stempelsteuer, zusätzlich zur Courtage.

Was spricht für ETF?

Drei Gründe, warum sie sich für Privatpersonen eignen:

Breite Streuung

Ein Kauf verteilt dein Geld auf Hunderte Firmen, mit einem Weltindex auf mehr als tausend. So kann dich keine einzelne Firma ruinieren. Das nennt man Diversifikation (auf Englisch).

Tiefe Kosten

Ein Index-ETF braucht kein Team, das Aktien auswählt. Im September 2026 kosteten drei ETF auf Schweizer Aktien 0,09 % bis 0,35 % pro Jahr.

Einfach zu handeln

Du kaufst und verkaufst über einen Broker während der Börsenzeiten, zu einem Kurs, den du vor dem Kauf siehst.

Die Seite Aktiv vs. passiv investieren vergleicht die Kosten dieser drei ETF mit denen aktiv verwalteter Fonds.

Der Haken

«ETF» sagt, wie ein Fonds gehandelt wird, nicht, was darin steckt. Neben den breiten Indexfonds gibt es ETF auf eine einzelne Branche, auf ein Thema wie Robotik oder saubere Energie oder auf einen kleinen Markt. Sie halten weit weniger Firmen, kosten oft mehr und können viel stärker steigen und fallen als der Markt.

Gehebelte ETF gehen noch weiter: Sie sollen an einem einzelnen Tag ein Vielfaches der Bewegung des Index bringen, etwa das Doppelte. Weil sie den Hebel jeden Tag neu einstellen, kann das Ergebnis über längere Zeit weit von diesem Vielfachen der Indexrendite abweichen. In einem Markt, der hin und her schwankt, können sie sogar an Wert verlieren, wenn der Index dort endet, wo er angefangen hat.

Franken, Anteilsklassen und Sitz

Viele ETF werden an der SIX Swiss Exchange in Franken gehandelt. Ein Kurs in Franken macht die Anlagen aber nicht schweizerisch: Ein Welt-ETF, der in Franken notiert, hält trotzdem Anlagen in Dollar und Euro und trägt deren Währungsrisiko. Viele ETF gibt es in mehreren Anteilsklassen: Varianten desselben Fonds mit eigener Währung, eigenen Gebühren oder eigener Ausschüttung. Nur eine Klasse mit Absicherung in Franken nimmt den grössten Teil der Währungsschwankung heraus, gegen zusätzliche Kosten. Ob eine Klasse ihre Erträge ausschüttet oder wieder anlegt, ist der Unterschied zwischen thesaurierend und ausschüttend. Schau vor dem Kauf im Factsheet nach, was der ETF hält, wie hoch seine TER ist und wo er seinen Sitz hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • —Ein ETF ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird: Ein Kauf bringt dir ein Stück von allem, was er hält.
  • —Ein breiter Index-ETF verteilt dein Geld zum Preis eines einzigen Auftrags auf Hunderte Firmen oder mehr als tausend.
  • —Die Kosten sind tief, aber nicht null: Prüf die TER, deine Courtage und die Schweizer Stempelsteuer.
  • —«ETF» sagt, wie ein Fonds gehandelt wird, nicht, was er hält: Themen-ETF und gehebelte ETF können einseitig und riskant sein.

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