Thesaurierend oder ausschüttend
Ob ein Fonds seine Dividenden und Zinsen ausschüttet oder wieder anlegt und wie die Schweiz beides besteuert, bei Schweizer und ausländischen Fonds.
Kernaussage
Ein ausschüttender Fonds zahlt seine Erträge an dich aus, ein thesaurierender legt sie wieder an. Wohnst du in der Schweiz, ist die Einkommenssteuer in beiden Fällen dieselbe: Der Ertrag zählt in dem Jahr, in dem er ausgeschüttet oder wieder angelegt wird. Schweizer Fonds ziehen bei beiden 35 % Verrechnungssteuer ab, die du mit der Steuererklärung zurückforderst. Fonds mit Sitz im Ausland ziehen keine Schweizer Verrechnungssteuer ab.
Was heisst thesaurierend und ausschüttend?
Ein Fonds erzielt Erträge aus dem, was er hält: Dividenden von Aktien und Zinsen von Obligationen. Ein ausschüttender Fonds zahlt diese Erträge an dich aus, ein- oder mehrmals im Jahr. Ein thesaurierender Fonds behält sie und legt sie wieder an: Statt Bargeld besitzt du Anteile, die je etwas mehr wert sind. Nach den Schweizer Steuerregeln gilt ein Fonds als ausschüttend, wenn er jedes Jahr mindestens 70 % seines Nettoertrags ausschüttet. Das ist sein Ertrag nach Kosten, samt dem Ertrag, den er aus früheren Jahren vorgetragen hat. Bei einem Schweizer Fonds müssen seine Fondsdokumente das vorschreiben.
Viele
Wohin gehen die Erträge?
So geht jede Variante mit ihren Erträgen um, wenn du in der Schweiz wohnst, nach den Regeln von 2026:
Schüttet aus
Ausschüttend
Der Ertrag
An dich ausbezahlt
Was du erhältst
Bargeld, ein- oder mehrmals im Jahr
Als Einkommen besteuert
Ja
Bei einem Schweizer Fonds
35 % abgezogen, rückforderbar
Vermögenssteuer
Auf dem Wert am Jahresende
Legt wieder an
Thesaurierend
Der Ertrag
Im Fonds wieder angelegt
Was du erhältst
Kein Bargeld, jeder Anteil wächst
Als Einkommen besteuert
Ja
Bei einem Schweizer Fonds
35 % abgezogen, rückforderbar
Vermögenssteuer
Auf dem Wert am Jahresende
Nur die ersten beiden Zeilen unterscheiden sich. Die Steuer ist in beiden Fällen dieselbe. Der Ertrag wird in dem Jahr besteuert, in dem er ausgeschüttet oder wieder angelegt wird. Ein Schweizer Fonds zieht davon 35 % Verrechnungssteuer ab, die du zurückfordern kannst. Und die Anteile zählen für die Vermögenssteuer mit ihrem Wert am Jahresende.
Wird beides besteuert?
Angenommen, du hältst CHF 10'000 in einem Fonds, der in einem Jahr CHF 200 Ertrag erzielt, nach seinen Kosten. So verteilt sich das Geld, je nachdem, wo der Fonds seinen Sitz hat:
| CHF 200 Ertrag | Schweizer Fonds | ETF in Irland oder Luxemburg |
|---|---|---|
| Ausgeschüttet oder wieder angelegt | 130 | 200 |
| Schweizer Verrechnungssteuer, rückforderbar | 70 | keine |
| Als Einkommen deklariert | 200 | 200 |
Bei jedem Fonds deklarierst du CHF 200 als Einkommen. Ein Schweizer Fonds behält 35 % zurück, CHF 70: Ein ausschüttender zahlt dir die übrigen CHF 130 aus, ein thesaurierender legt sie wieder an. In beiden Fällen erhältst du die CHF 70 zurück, wenn du die Anteile und den Ertrag deklarierst. Ein ETF mit Sitz in Irland oder Luxemburg zieht keine Schweizer Verrechnungssteuer ab, und auch für das irische oder luxemburgische Steueramt wird nichts abgezogen. Er schüttet also die vollen CHF 200 aus oder legt sie wieder an.
Die Wahl ändert also nichts an deiner Einkommenssteuer. Sie ändert zwei andere Dinge. Bei einem thesaurierenden Fonds zahlst du die Steuer auf Ertrag, den du nie in bar erhalten hast, aus anderem Geld. Bei einem Schweizer Fonds helfen dabei die CHF 70, die du zurückforderst. Bei einem ausschüttenden Fonds musst du erneut kaufen, um das Geld wieder anzulegen. Das kostet Courtage und, bei einer Schweizer Bank oder einem Schweizer Broker,
Kapitalgewinne sind eine eigene Sache. Verkaufst du als Privatperson deine Anteile, ist der Gewinn in der Regel steuerfrei. Ebenso die Gewinne, die der Fonds selbst beim Verkauf erzielt, wenn er sie separat ausweist.
Welche Rolle spielt der Sitz des Fonds?
Das Land, in dem ein Fonds seinen Sitz hat, auf Factsheets oft Domizil genannt, bestimmt, welche Verrechnungssteuer gilt. Viele ETF, die in der Schweiz verkauft werden, haben ihren Sitz in Irland oder Luxemburg. Auf dem, was sie ausschütten oder wieder anlegen, fällt keine Schweizer Verrechnungssteuer an. In deiner Steuererklärung wird es aber genauso besteuert wie der Ertrag eines Schweizer Fonds. Dafür verlieren sie auf andere Art Geld an Steuern. Erhält ein Fonds Dividenden aus dem Ausland, ziehen viele Länder zuerst ihre eigene
Ein Schweizer Fonds kann Doppelbesteuerungsabkommen in der Regel nicht in eigenem Namen nutzen. Für einige Länder, welche die Eidgenössische Steuerverwaltung auflistet, kann er eine Entlastung für den Teil seiner Erträge beantragen, der seinen Schweizer Anlegerinnen und Anlegern zusteht. Für Erträge aus den übrigen Ländern, darunter die USA, kann sie nur beantragen, wer die Anteile hält.
Der Haken
Die steuerbaren Zahlen stammen vom Fonds: Er meldet der Eidgenössischen Steuerverwaltung seinen Ertrag pro Anteil. Meldet ein ausländischer Fonds nicht und lässt sich sein Ertrag auch aus seinen Jahresrechnungen nicht ermitteln, kann das kantonale Steueramt ihn aus einer marktüblichen Rendite auf dem Fondsvermögen schätzen. Das muss nicht dem entsprechen, was der Fonds tatsächlich verdient hat.
Und die Steuer ist selten ein Grund, die eine Variante der anderen vorzuziehen. Wohnst du in der Schweiz, ist die Einkommenssteuer dieselbe. Es bleibt also die Frage, ob du das Bargeld willst und was es kostet, es selbst wieder anzulegen.
Die Zahlen für deine Steuererklärung
Die Kursliste der Eidgenössischen Steuerverwaltung auf ictax.admin.ch nennt für jeden Fonds, den sie aufführt, den steuerbaren Ertrag pro Anteil und den Steuerwert am 31. Dezember. Auf diesen Zahlen beruht deine Steuererklärung. Führe deine Fonds und ihre Erträge im Wertschriftenverzeichnis deiner Steuererklärung auf. So erhältst du die 35 % zurück, und Erträge, die du nicht deklarierst, können dich die Rückerstattung kosten. Such den Fonds in der Kursliste mit seiner ISIN, dem 12-stelligen Code, der auf seinem Factsheet und auf deinem Bankauszug steht. Ist er aufgeführt, steht dort sein steuerbarer Ertrag pro Anteil. Wenn nicht, frag den Anbieter, ob der Fonds der Eidgenössischen Steuerverwaltung meldet.
Das Wichtigste in Kürze
- —Ein ausschüttender Fonds zahlt seine Erträge aus, ein thesaurierender legt sie wieder an.
- —Wohnst du in der Schweiz, wird der Ertrag so oder so besteuert, im Jahr, in dem er ausgeschüttet oder wieder angelegt wird.
- —Schweizer Fonds ziehen bei beiden Varianten 35 % Verrechnungssteuer ab, die du mit der Steuererklärung zurückforderst. Fonds mit Sitz im Ausland ziehen keine Schweizer Verrechnungssteuer ab.
- —Prüf, ob ein ausländischer Fonds in der Kursliste steht: Lässt sich sein Ertrag nicht aus seinen Berichten ermitteln, kann das Steueramt ihn schätzen.
Verwandte Themen
ETF (börsengehandelter Fonds)
Ein Kauf, viele Firmen: wie ETF funktionieren und was sie kosten.
Verrechnungssteuer
Wo die fehlenden 35 % deiner Dividende sind und wie du sie zurückholst.
TER (Gesamtkostenquote)
Ein Bruchteil eines Prozents im Jahr, Zehntausende über ein Leben.
Stempelsteuer (Umsatzabgabe)
Die kleine Steuer des Bundes auf Käufen und Verkäufen über eine Schweizer Bank.