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Mischa Barmettler

Cost-Average-Effekt

Wie ein fester Betrag in regelmässigen Abständen Kursschwankungen beim Kaufen ausgleicht, dir das Timing abnimmt und das Anlegen zur Gewohnheit macht.

Kernaussage

Beim Cost-Average-Effekt legst du denselben Betrag zum selben Termin an, egal, wo der Kurs steht. Bei tiefen Kursen kaufst du so mehr Anteile, bei hohen weniger. Legst du deinen Lohn an, sobald er kommt, ist das schlicht der natürliche Weg. Eine Summe, die schon auf dem Konto liegt, schnitt aber meist besser ab, wenn sie sofort ganz angelegt wurde. In Schweizer Aktien war das von 1989 bis 2025 in 298 von 433 Zeiträumen von zwölf Monaten so, etwa zwei von drei.

Was ist der Cost-Average-Effekt?

Beim Cost-Average-Effekt, auch Durchschnittspreiseffekt genannt, legst du in regelmässigen Abständen einen festen Betrag in dieselbe Anlage an, zum Beispiel CHF 300 am Ersten jedes Monats. Was der Markt gerade macht, spielt keine Rolle. Du änderst den Betrag nicht, du wartest nicht auf einen Rückgang, und du lässt keinen Monat aus, weil die Nachrichten schlecht sind. Der Plan entscheidet für dich. So versuchst du nie, den richtigen Moment zu erwischen. Das wäre Market-Timing.

Weil der Betrag in Franken fest ist, ändert sich die Zahl der Anteile, die er kauft, mit dem Kurs. So sieht es mit CHF 300 pro Monat über vier Monate aus, während der Kurs fällt und sich wieder erholt:

Monat Kurs Angelegt Gekaufte Anteile
1100.00300.003,00
280.00300.003,75
360.00300.005,00
4100.00300.003,00
Total —1'200.0014,75

Die meisten Anteile hast du im dritten Monat gekauft, als der Kurs am tiefsten war, ohne es zu entscheiden. Dein durchschnittlicher Kaufpreis liegt bei 81.36 je Anteil, unter dem einfachen Durchschnittskurs von 85, weil mehr deines Geldes zum tiefen Kurs angelegt wurde. Der Kurs endete genau dort, wo er begann, und doch sind deine 1'200 jetzt 1'475 wert.

Warum funktioniert er?

Der Nutzen liegt weniger in der Mathematik als im Verhalten. Er hilft dir auf drei Arten:

Kein Timing

Kein Rätseln, ob jetzt ein guter Moment ist. Der Plan entscheidet, also wartest du nie mit Bargeld auf den richtigen Moment.

Kauft bei Rückgängen

Ein fester Betrag kauft automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse fallen, genau dann, wenn Kaufen am schwersten fällt.

Leicht durchzuhalten

Ein Dauerauftrag läuft von selbst. Die Gewohnheit übersteht strenge Monate, Schreckmomente an der Börse und Langeweile.

Der Haken

Liegt schon eine grössere Summe auf deinem Konto, schnitt es meist besser ab, sie sofort ganz anzulegen, statt sie zu verteilen. Das zeigt eine eigene Berechnung mit Schweizer Aktien, dem SPI mit wieder angelegten Dividenden, von 1989 bis 2025. Verglichen werden CHF 12'000, Ende eines Monats angelegt, und CHF 1'000 Ende dieses Monats und Ende jedes der folgenden 11 Monate. Das noch wartende Geld lag in der Zwischenzeit zum durchschnittlichen Zins auf einem Sparkonto. Als die letzten CHF 1'000 angelegt wurden, lag die Einmalanlage in 298 der 433 Zeiträume von zwölf Monaten vorne, in etwa zwei von drei. Die Zeiträume überschneiden sich. Zählst du nur jene, die im Januar beginnen, lag sie in 27 von 37 vorne.

Der Grund: Aktien steigen öfter, als sie fallen. Schweizer Aktien stiegen in 89 der 126 Jahre von 1900 bis 2025, laut der Studie der Genfer Bank Pictet zu Schweizer Renditen seit 1900 (Februar 2026). Eine Einmalanlage kann aber den schlechtesten Moment erwischen. Ende August 2008 angelegt, waren CHF 12'000 Ende Juli 2009 noch CHF 10'115 wert, die monatlichen Käufe CHF 13'047. Wer eine vorhandene Summe verteilt, tauscht ein wenig erwartete Rendite gegen Ruhe. Den SPI berechnet SIX. Die Schweizerische Nationalbank veröffentlicht ihn zusammen mit den Sparzinsen. Gerechnet ist vor Kosten und Steuern.

Nichts davon gilt, wenn du deinen Lohn anlegst, sobald er kommt. Dann hast du keine Summe zum Anlegen, sondern ein laufendes Einkommen. Regelmässiges Anlegen ist dann überhaupt kein Kompromiss, sondern schlicht der natürliche Weg, Geld anzulegen, während du es verdienst.

Was ein Kauf kostet

Achte auf die fixen Kosten. Legst du über eine Schweizer Bank oder einen Schweizer Broker CHF 300 pro Monat in einen ETF mit Sitz im Ausland an, zahlst du 0,15 % Stempelsteuer. Das sind Stand 2026 CHF 0.45 je Kauf. Dazu kommt die Courtage, die Gebühr deiner Bank pro Auftrag: Pauschal CHF 5 wären 1,67 % jedes Kaufs. Neue Anteile eines Schweizer Fonds, die du über deine Bank zeichnest, also direkt beim Fonds kaufst, sind von der Stempelsteuer befreit. Kaufst du einen ETF mit Sitz in der Schweiz an der Börse, zahlst du die Hälfte, 0,075 %. Banken und Broker bieten auch Sparpläne an, die jeden Monat einen festen Betrag anlegen. Bevor du startest, rechne aus, was dich ein Kauf an Courtage und Stempelsteuer kostet, als Anteil des Betrags.

Das Wichtigste in Kürze

  • —Ein fester Betrag kauft automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse tief sind, und weniger, wenn sie hoch sind.
  • —Sein eigentlicher Wert liegt im Verhalten: Er nimmt dir das Market-Timing ab und lässt sich jahrelang durchhalten.
  • —Eine Summe, die schon bereitliegt, schnitt sofort angelegt meist besser ab: in Schweizer Aktien von 1989 bis 2025 in 298 von 433 Zeiträumen von zwölf Monaten.
  • —Legst du deinen Lohn an, sobald er kommt, ist regelmässiges Anlegen schlicht der natürliche Weg.
  • —Fixe Kosten wiegen bei kleinen Käufen schwer: Eine Courtage von CHF 5 macht 1,67 % von CHF 300 aus.

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