Portfolio-Rebalancing
Warum ein Portfolio mit der Zeit von seiner Zielaufteilung abweicht und wie regelmässiges Kaufen und Verkaufen es zurückbringt.
Kernaussage
Rebalancing bringt dein Portfolio auf die Mischung zurück, die du gewählt hast, wenn die Märkte es davon weggezogen haben. Eine einfache Regel genügt: Prüf dein Portfolio ein- oder zweimal im Jahr. Weicht ein Anteil 5 Prozentpunkte oder mehr von seinem Ziel ab, gleichst du aus. Setz dafür neues Geld ein, bevor du etwas verkaufst. Rebalancing steuert das Risiko. Es soll die Rendite nicht erhöhen.
Was ist Rebalancing?
Ein Portfolio beginnt mit einer Zielaufteilung: der
Was passiert nach ein paar starken Jahren?
Nimm CHF 10'000, aufgeteilt in 60 % Aktien und 40 % Obligationen: CHF 6'000 und CHF 4'000. Nach ein paar starken Jahren für Aktien sind die Aktien um 75 % auf CHF 10'500 gewachsen und die Obligationen um 12,5 % auf CHF 4'500:
Verschoben
- Aktien: 10'500.00 (70 %)
- Obligationen: 4'500.00 (30 %)
Aktien für CHF 1'500 verkaufen
Obligationen für CHF 1'500 kaufen
Ausgeglichen
- Aktien: 9'000.00 (60 %)
- Obligationen: 6'000.00 (40 %)
Das Portfolio ist jetzt CHF 15'000 wert: 70 % Aktien und 30 % Obligationen statt 60 % und 40 %, deutlich riskanter, als du geplant hattest. Verkaufst du Aktien für CHF 1'500 und kaufst Obligationen für CHF 1'500, bist du wieder bei CHF 9'000 und CHF 6'000, also bei 60/40. Die Verschiebung hat auch eine Richtung: Das Geld sammelt sich in dem, was am stärksten gestiegen ist, und dein Portfolio hängt immer mehr davon ab.
Mit echten Renditen verschiebt sich die Aufteilung genauso stark. Eine Mischung aus 60 % Schweizer Aktien und 40 % Obligationen in Franken wurde Ende 2015 angelegt und danach nie ausgeglichen. Ende 2025 bestand sie zu 74,5 % aus Aktien und zu 25,5 % aus Obligationen. Die Aktien hatten sich verdoppelt, die Obligationen waren um 2,9 % gewachsen. Das zeigt eine eigene Berechnung mit den Zahlen aus der Studie der Genfer Bank Pictet zu Schweizer Renditen seit 1900 (Februar 2026).
Wie gleichst du aus?
- 1
Ziele berechnen
Zielanteil × Gesamtwert. 60 % × 15'000 = 9'000 in Aktien.
- 2
Abweichungen finden
Aktueller Wert − Ziel = Abweichung. 10'500 − 9'000 = +1'500 zu viel.
- 3
Die Differenz handeln
Was zu viel ist, verkaufen, was zu wenig ist, kaufen. Aktien für 1'500 verkaufen, Obligationen kaufen.
Was ist der günstigste Weg?
Solange du noch Geld einzahlst und die Einzahlungen gross genug sind, kannst du aufs Verkaufen ganz verzichten. Leite neue Einzahlungen in die Anlagen, deren Anteil zu klein ist, bis die Anteile wieder stimmen. Im Beispiel zahlst du CHF 2'500 neues Geld nur in Obligationen ein. Dann stehen CHF 10'500 in Aktien und CHF 7'000 in Obligationen: wieder 60/40, jetzt von CHF 17'500.
Kein Verkauf, keine realisierten Gewinne, keine Gebühren für den Verkauf. Für alle, die noch sparen, ist das meist die beste Methode.
Wann gleichst du aus?
Drei Methoden sind verbreitet:
- Kalender: fester Termin, zum Beispiel einmal oder zweimal im Jahr. Einfach und leicht durchzuhalten.
- Bandbreite: sobald ein Anteil eine festgelegte Bandbreite verlässt, zum Beispiel ±5 Prozentpunkte. Reagiert nur auf grosse Bewegungen, aber du musst die Anteile laufend im Auge behalten.
- Beides: nach festem Termin prüfen und nur handeln, wenn ein Anteil ausserhalb seiner Bandbreite liegt.
Die US-Fondsgesellschaft Vanguard berichtete im Dezember 2025 im Artikel «Why, how and when multi-asset investors should rebalance» von eigener Forschung mit simulierten Märkten. Danach ist für viele Anlegerinnen und Anleger ein Ausgleich einmal im Jahr am besten: Monatlich oder vierteljährlich ist zu oft, alle zwei Jahre zu selten. Eine einfache Grundregel verbindet die Methoden: ein- oder zweimal im Jahr prüfen und ausgleichen, wenn ein Anteil um 5 Prozentpunkte oder mehr abweicht. Eine Regel zu haben, zählt mehr als ihre Einzelheiten, weil sie die Gefühle aus dem Entscheid nimmt.
Der Haken
Rebalancing ist nicht gratis. Jeder Handel kann Courtage kosten, die Gebühr deiner Bank pro Auftrag, und eine Geld-Brief-Spanne: den Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei einer Schweizer Bank kommt die
Deshalb lohnt es sich, nicht zu oft auszugleichen, etwa einmal im Jahr, und zuerst auf neue Einzahlungen zu setzen.
Steuern und Kosten in der Schweiz
Für private Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz sind Kapitalgewinne in der Regel steuerfrei, was die Steuerkosten des Rebalancings senkt. Das gilt nicht, wenn die Steuerverwaltung dich als gewerbsmässige Wertschriftenhändlerin oder gewerbsmässigen Wertschriftenhändler einstuft. Handelskosten fallen trotzdem an: Courtage, Spannen und Stempelsteuer. Notier dir deine Zielmischung und den Monat deiner nächsten Prüfung. Die Käufe und Verkäufe rechnet dir der Rebalancing-Rechner unten aus.
Das Wichtigste in Kürze
- —Rebalancing steuert das Risiko. Es soll die Rendite nicht erhöhen.
- —Die Verschiebung kommt von selbst: Eine Mischung 60/40 aus Schweizer Aktien und Obligationen, Ende 2015 angelegt und nie ausgeglichen, stand zehn Jahre später bei 74,5/25,5.
- —Neues Geld ist der günstigste Weg zum Rebalancing: Reicht es aus, musst du nichts verkaufen.
- —Eine Regel zu haben und ihr zu folgen, zählt mehr als die Wahl der Regel.